Impuls der Kolpingsfamilie Ergenzingen zum 07.07.2024: Ich möchte Wunder erschaffen

Vor einigen Tagen habe ich die immersive Ausstellung zum berühmtesten Bild „Das letzte Abendmahl“ von Leonardo da Vinci in der Schleyerhalle in Stuttgart besucht. Sehr berührt war ich am Ende, vertieft in Staunen und beschenkt mit einem neuen Zugang zu diesem Bild und seinem biblischen Hintergrund. Sehr angesprochen haben mich auch sechs Zitate von Leonardo da Vinci, so dass in loser Folge dazu heute eine kleine Sommerimpulsserie startet. Conny Nagel hat die Zitate illustriert.

Conny Nagel

„Da hilft nur ein Wunder“ hört man in aussichtslosen Situationen sagen.
Gestern hatten sich die Macher:innen der Ergenzinger Kreativmeile zur Eröffnung das kleine Wetterwunder gewünscht. Könnte doch nur jemand den „Wasserhahn von oben“ abstellen. Wer unheilbar erkrankt ist, hofft auf ein medizinisches oder auch göttliches Wunder. Wohl alle warten wir auf das Wunder des Friedens, auf Einsicht bei den Kriegstreibenden.

Leonardo da Vinci treibt es dann fast ein wenig auf die Spitze, wenn er sagt „Ich möchte Wunder erschaffen“. Damit reiht er seine Idee in die sieben Weltwunder der Antike, einer Liste von sieben bemerkenswerten Bauwerken, ein. Da Vinci ist es gelungen – sein Bild „Das letzte Abendmahl“ ist ein Wunder, eine Meisterschaft an Farben und Komposition, an Charakteren, und das Rätsel aufgebend, ob die sehr weiblich aussehende Gestalt links von Jesus nun der Lieblingsjünger Johannes ist oder Maria Magdalena. Kunst eröffnet Interpretationsspielräume. So darf es offen bleiben bzw. den persönlichen Vorstellungen entsprechend gedeutet werden.

„Ich möchte ein Wunder erschaffen“ – ja, das möchte ich manchmal durchaus. Ich möchte Frieden herstellen können. Ich möchte gesund sein. Ich möchte ein hohes Alter erreichen. Ich möchte Konflikte aus der Welt schaffen. Mit einem Fingerschnipsen geht das alles nicht. Zum Wunder gehört zuerst einmal, dass man sich wundert, denn damit beginnt die Veränderung. Das war in den biblischen Wundererzählungen nicht anders. Sich wundern und einsehen, dass es noch immer Möglichkeiten gibt zur Veränderung einer Situation, ist Voraussetzung für das Wunder.

Zum Wunder gehört, eine entsprechende Haltung oder Einstellung zur Situation zu haben, für die man sich ein Wunder erhofft.
Vielleicht geht es dann nicht mehr ums unrealistische Gesundwerden, sondern um ein Hineinwachsen in einen neuen Lebensstil, der eine neue Form von Lebensqualität ermöglicht.
Vielleicht geht es dann nicht mehr um ein möglichst hohes Alter, sondern um den Blick für den Reichtum und für die Schätze des Lebens.
Vielleicht geht es dann nicht mehr um einen Konflikt, sondern um die Herstellung einer neuen Beziehung.
Frieden ist dann mehr als die Abwesenheit von Krieg. Vielmehr geht es um den Frieden, der die Weltgemeinschaft zusammenschweißt und alle Völker und Nationen zu einem Menschenverbund werden lässt, in dem jede:r zum Frieden und zum Auskommen beiträgt.

Bei Wundern geht es immer um das Glück des Lebens. Katja Ebstein hat vor vielen Jahren das Lied „Wunder gibt es immer wieder“ gesungen. Darin heißt es:
„Viele Menschen fragen
was ist schuld daran
warum kommt das Glück
nicht zu mir?
Fangen mit dem Leben
viel zu wenig an.
Dabei steht das Glück
schon vor der Tür.

Wunder gibt es immer wieder
heute oder morgen
können sie geschehn.
Wunder gibt es immer wieder
wenn sie dir begegnen
musst du sie auch sehn."

Auf das Sehen und Wahrnehmen kommt es an, dann erleben wir die Wunder des Lebens. Und es geht immer ums Herz am rechten Fleck, dann geschehen die Wunder.

Link: Wunder gibt es immer wieder: https://www.youtube.com/watch?v=6JhJ2in_nDY

Text: Dr. Claudia Hofrichter