Impuls der Kolpingsfamilie Ergenzingen zum 16.6.2024: Die Welt verbessern

Conny Nagel

„Wie wunderbar ist es, dass niemand auch nur eine Minute zu warten braucht, um die Welt langsam zu verbessern!“

Welch ein erstaunlicher Gedanke des jungen jüdischen Mädchens Anne Frank im Nazideutschland, versteckt in Amsterdam, krank und geschwächt verstorben Anfang Februar oder März 1945 im KZ Bergen-Belsen. Mehrmals habe ich ihr Tagebuch gelesen und die Verfilmung dazu gesehen. Beeindruckt bin ich von der Tiefgründigkeit ihres Denkens in ihrem jugendlichen Alter, in dem sie schnell erwachsen werden musste. Sie wurde nur 16 Jahre alt.

Recht hat sie -  die Welt verbessern, das geht in kleinen Schritten sofort, weil mein Tun, dein Tun sich auf das große Ganze in irgendeiner Weise auswirken wird. Es entstehen kleine Kettenreaktionen. Anne Frank hatte das Ende des Naziregimes im Blick, sie wollte leben, sie wollte lernen, sie wollte die Welt entdecken. Darum geht es, mit aller Kraft die Welt zum Guten zu gestalten, mit meinen kleinen Kräften für Gerechtigkeit und ein friedliches Miteinander zu sorgen.

Am vergangenen Sonntag waren die Wahlen. Die Wahlanalysen, weshalb es einen Rechtsruck gab, ließen nicht lange auf sich warten. Egal wie die Wahl ausgegangen ist: Allen politischen Kräften in Europa muss es zuallererst um die Würde jedes Menschen gehen – unabhängig von Herkunft, Religion und Orientierung. Wenn alle Europa-und Kommunalpolitiker:innen das anerkennen, dann werden sie in der Lage sein, tragfähige Entscheidungen zu treffen, so sehr sie vielleicht im Einzelfall darum ringen müssen.

Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit, Förderung von Frieden und Stabilität – das sind die gemeinsamen Grundsätze und Werte in der EU. „Europas Seele ist die Toleranz“, so hat es Angela Merkel einmal formuliert. Sie stehen immer dann auf dem Spiel, wenn große Krisen sich anbahnen oder die EU mitten drinnen steckt, so wie es jetzt ist. Sie stehen dann auf dem Spiel, wenn die Gewichte und Interessen aus der Balance geraten.

In den Kommunen geht es immer um das gute Zusammenleben der Menschen, es geht um die Förderung der Wirtschaft und des Gemeinwohls, es geht um Projekte, die den Zusammenhalt stärken, den Alten einen guten Lebensabend ermöglichen und die Entwicklungsmöglichkeiten der nachwachsenden Generation fördern und stärken.

Am Freitagabend hat die Fußball-Europameisterschaft mit einem fulminanten Sieg der deutschen Nationalmannschaft begonnen. Unmittelbar danach gab es gleich viele Analysen zur eigenen Mannschaft und zum gegnerischen Team. Allein erst einmal die Freude zu verkosten und sich setzen lassen – das würde ich mir wünschen. Ich würde mir wünschen, dass diese EM das Miteinander und den Zusammenhalt der verschiedenen Nationen stärkt und eine ermutigende Wirkung über die EM hinaus hat.

In der zurückliegenden Woche waren wir jeden Abend mit der Bibel unterwegs. Unser Motto „Sei ein Mensch“ hat uns jeden Abend bei den herausfordernden Bibeltexten begleitet. Vieles, was uns bewegt hat, konnte angesprochen werden. Dieses „Sei ein Mensch“ ist der Schlüssel zu den notwendigen Veränderungen und Verbesserungen. „Sei ein Mensch“ und spüre, was es braucht, damit alle in Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit leben können – und dann handle leidenschaftlich danach. Dann berühren sich Himmel und Erde.

Text: Dr. Claudia Hofrichter