Sommerserie. Geistlicher Impuls – Jesu ist ein Storyteller – Zu Matthäus 18,21-35

Jesus erzählt gerne Geschichten. Das moderne Wort dafür heißt: er betreibt Storytelling. Damit ist eine besondere Art des Geschichtenerzählens gemeint. Es geht um einen Spannungsbogen, der gehalten werden soll, es geht um etwas Lehrreiches ohne zu dozieren, es geht um Anregungen für das Leben. Hierin ist Jesus ein Meister. Da stellt einer eine Frage – wieder einmal ist es Petrus und Jesus antwortet mit einer Story, mit einer Geschichte, die einige Überraschungen zu bieten hat.

Foto: Simone El / Pfarrbriefservice

Wie soll das gehen, dass ich jemandem bis zu siebzigmal siebenmal vergebe? Jesu Antwort ist doch absurd! Ich erinnere mich wie ich als Jugendliche tief beeindruckt war von dieser Antwort, weil sie mich bei aller Absurdität zum Kern dessen, was Jesus sagen wollte, führte. Er zeigt diesem Petrus: „Frag nicht so gesetzesdenkerisch, sondern frage nach dem tiefen Sinn von Vergebung und erkenne den Weg der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.“

Es geht um die Haltung, die hinter der Vergebung steckt. Es geht um Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Jesus, unser Storyteller, erzählt von einer bodenlosen Ungerechtigkeit. Da wird einem Knecht die Geldschuld erlassen, doch dieser weiß nichts anderes zu tun als seinem Schuldner eine riesige Last aufzuerlegen. Er handelt am anderen nicht so wie er es an sich erfahren hat. Er bleibt der Ungerechte, der Geizige, der Egoist, der nichts anderes kennt als seinen eigenen Vorteil. Nichts dazugelernt. Da fällt dann doch seine eigene Schuldenlast wieder auf ihn zurück.

Das kennen wir vielleicht auch. „Man sieht sich immer zweimal“ ist ein geflügeltes Wort. Dahinter steckt die Erfahrung; Wenn eine Situation mit einem anderen Menschen unbefriedigend geblieben ist, ungeklärt, unversöhnt, dann trifft man irgendwann wieder auf sie – mal früher, mal später. Wenn ich unbarmherzig und ungerecht gewesen bin, dann plagt mich das irgendwann wieder. – Solche Prozesse laufen im Großen und im Kleinen. Wir kennen es aus unserem persönlichen Umfeld, wir kennen es aus der Politik.

Wenn ich wieder einmal in meine Falle getappt bin, dann schaffe ich es manchmal nicht allein herauszukommen. Da brauche ich dann so „einen Diener des Königs“ – vielleicht keinen, der mich wie in der Geschichte verpetzt. Doch einen, der mich wachrüttelt, der mich ein wenig in die Seite boxt, damit ich merke, wo es lang geht. Gott sei Dank gibt es diese Menschen um mich herum, die mich zur Veränderung ermutigen und mit mir auf dem Weg der Gerechtigkeit, der Barmherzigkeit und Liebe bleiben.

Diese drei hat unsere Welt so nötig. Diese Drei haben wir – jede und jeder einzelne von uns –so nötig.

Heute endet die Sommerserie. Danke für Ihr Interesse und die Rückmeldungen.

Claudia Hofrichter