In den kommenden Tagen und Wochen findet Ihr / finden Sie hier alle ein bis zwei Tage kurze Impulse.

07.04.2020   Sich die Finger verbrennen

Kennt Ihr diese Situationen, in denen man das Gefühl hat, egal, was man tut, sich die Finger zu verbrennen. Schnell steht man in der öffentlichen Kritik. Schnell kann an ganz tief fallen, wo man vorher noch bejubelt wurde. Von unseren Politikern erwarten wir gerade die Perfektion an richtigen Entscheidungen – schließlich ich geht es um Menschenleben. Unsere Regierungsparteien sind gerade in der Akzeptanz gestiegen für ihr gutes Management in der Coronakrise. Es gibt sie dennoch, die Verlierer, und es gibt sie, die Gewinner.

Sich die Finger verbrennen – das kannte dieser Jesus von Nazareth gut. Die Jahre seines öffentlichen Auftretens hat er sich die Finger ständig verbrannt, weil er den Finger in die Wunde gelegt hat und Gott als seinen Vater verkündete, der Gerechtigkeit, Frieden, Barmherzigkeit und Versöhnung will. Jesus hat sein Mut, sich die Finger zu verbrennen, das Leben gekostet. Er stirbt brutal den Tod am Kreuz.

Diesen Weg Jesu gehen wir in dieser Woche symbolisch nach und im Gedenken an alle, die sich heute freiwillig oder unfreiwillig ebenso die Finger verbrennen.

 

06.04.2020  Wir können uns nicht mehr vorbeidrücken

„Die Corona-Zeit bremst den Alltag aus, aber sie bedeutet keine Zeitenwende“, schrieb zum Wochenende Guido Bohsem im Leitartikel meiner Tageszeitung. Er sieht diese Monate als eine „eine Art Durchlauferhitzer für Entwicklungen, die längst zuvor begonnen hatten“ und jetzt an Fahrt aufnehmen. Mit meinen bisherigen Beobachtungen kann ich diese Auffassung teilen. Wenn meine Kirche das auch begreifen würde, dass wir uns nicht mehr vorbeidrücken können an den ungelösten Fragen, die wir seit Jahrhunderten vor uns hertragen und die uns zum Vertrauenslust führten. Die Coronakrise zementiert noch einmal den Klerikalismus, wenn man da lesen muss, dass die Priester für uns beten und unsere Anliegen in der Solo-Messe vor Gott tragen. Kann ich das nicht in gleicher Qualität selbst als Getaufte? Oder wenn man uns eigens sagt, dass die Sonntagspflicht jetzt ausgesetzt sei. Haben wir nicht andere Sorgen? Wir werden digital gerade super versorgt. Dovh wie wird gerade unser aller Teilhabe am Priesterum Jesu Christi durch de Taufe gewürdigt? Oder ist das nur eine Theologenfrage? 

Was ich mir wünsche, beschreibt Tomas Halik: „Diese Fastenzeit der leeren und schweigenden Kirchen können wir entweder nur als ein kurzes Provisorium annehmen, das wir dann bald vergessen werden. Wir können sie jedoch auch als kairos annehmen – als eine Zeit der Gelegenheit, „in die Tiefen hinabzusteigen“ und eine neue Identität des Christentums in einer Welt zu suchen, die sich vor unseren Augen radikal verwandelt“ (Tomás Halík, in: Christ und Welt 2.4.2020). So stelle ich mir das vor.

Eure heute wieder einmal kritische Fragen stellende Geistliche Leiterin

 

05.04.2020  Palmsonntag – und ein kleines Detail

Ist euch das kleine Detail schon einmal aufgefallen? Jesus reitet auf zwei Eseln gleichzeitig in Jerusalem ein: auf der Mutter und auf dem Fohlen. Auf beiden reitend, das braucht etwas Akrobatik. Vielleicht ist Akrobatik ja genau das Stichwort, wenn es darum geht, zu verstehen, zu deuten, was gerade vor sich geht durch die Auswirkungen von Covid 19. Wir erfahren die Krisenzeit alle hautnah. Wir müssen in diesem Jahr neue Rituale für das gewohnte finden, wenn wir Ostern innerlich und äußerlich begehen wollen. Wir suchen Antworten auf unsere Fragen. Und vielleicht sind unsere religiösen Fragen andere geworden als sie es noch vor einigen Wochen waren. Es geht ans Eingemachte. Jetzt mit Jesus den Weg nach Jerusalem zu gehen, nach Golgotha, hinein ins Grab und dann ins Licht von Ostern, darum geht es. Und darauf zu vertrauen, dass er mit uns ist. Unser Herz offen halten für diese Erfahrung. Dann wird sie uns geschenkt werden. Das glaube ich fest.

Einen gesegneten Palmsonntag.

 

04.04.2020   „Gegen den Corona-Speck“

Ja, ich stelle mich auch täglich auf die Waage. Nein, ich prüfe nicht, ob ich Corona-Speck angesetzt habe.
Gestern fiel mir in meiner Zeitung der Artikel mit dieser Überschrift auf. Noch mehr als sonst wird meine Alltagstauglichkeit in Frage gestellt. Noch mehr als sonst erhalte ich Fitness-Tipps und täglich mehr Anregungen wie ich den Corona-Blues besser überstehen kann. Wie schön, dass es alle so gut mit uns meinen. Spätestens die jeweiligen App-Empfehlungen beenden dann die selbstlose Hilfe gegen den Blues und gehen auf Kundenfang.

Das ist ja irgendwo auch berechtigt, denn auch da geht es um Firmenexistenzen. Mir fällt auf, dass es von Tag zu Tag mehr ans Eingemachte geht. Die Forderungen nach Normalität, nach Lockerung der Kontaktsperre, nach mehr finanzieller Unterstützung für alle Gewerbetreibenden, damit sie nicht zu Grunde gehen in dieser Krise usw. werden von Tag zu Tag schärfer.

Die Not ist groß. Der Corona-Speck darunter die Kleinste.

 

03.04.2020  "Zeigen wir einander doch das Beste in uns!"

Bundespräsident Walter Steinmeier hat sich wieder zu Wort gemeldet mit ermutigenden Worten. Er erzählt von Menschen, denen er in den letzten Wochen begegnet ist und bei denen er spürt, dass sie das Beste von sich zeigen – nämlich absolute Zuverlässigkeit und Mitmenschlichkeit in dieser so deprimierenden Situation. „Wir sind vielleicht zur Isolation verdammt – aber nicht zur Untätigkeit“, so resümiert er als die vielen Aktivitäten, in denen Menschen sich einander zuwenden und unterstützen. Dennoch ist in meinem Herzen auch eine Stimme, die fragt, wie lange wir die Kontaktsperre aushalten, wie lange uns Social Media helfen wird, einigermaßen gut gestimmt zu bleiben, wie lange dieses Medium den vis-à-vis-Kontakt ersetzen kann. Ich lebe allein und spüre, dass ich mich gut beschäftigen kann. Allerdings spüre ich auch meine Sehnsucht nach Begegnung. Ich hoffe, dass ich das überhaupt zugeben darf, wo ich ja auch weiß, dass Kontaktsperre bedeutet, Leben zu retten?

Zeigen wir einander doch das Beste in uns!“ – das Wohlwollen, die Nächstenliebe, die Solidarität und nicht zuletzt das Einander-Beistehen im Beten.

Behüt Euch alle Gott!

 

02.04.2020   Herzhaft gelacht

Gott sein Dank bleibt vielen Menschen ihre Kreativität in diesem Coronachaos. Fast täglich bekomme ich ein nettes Foto geschickt. Heute einen Wegenetzplan durch die eigene Wohnung mit vielen Haltestellen und unterschiedlichen Routen. Eine Freundin, der ich das weiterleitete, meinte ebenso humorvoll: „Braucht man fast ein Nawi“. Solche Kleinigkeiten tun jetzt gut. Zu finden ist die Grafik hier: http://keratill.com/

Mir helfen auch gute Texte wie die von Huub Oosterhuis, dem Dichter auch von „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“. Mit seinen Zeilen zu Psalm 63 spricht er mir aus dem Herzen.

Zu dir steh ich auf am Morgen

Zu dir steh ich auf am Morgen,
rufe die Stunden, fleh um Licht,
krieche nach Wasser.

Nach dir dürst ich durch den Mittag,
Leib bin ich, flehende Seele,
mit den Schatten falle ich.

Nach dir wälz ich mich in der Nacht,
schläfst du? Rühr mich an,
dass ich zur Ruhe komme,

und zu dir aufstehe am Morgen.

Originaltitel: Naar jou sta ik op in de morgen
Text: Huub Oosterhuis / Übertragung: Annette Rothenberg-Joerges / Bibelstelle: Psalm 63,2-8

(Internetabruf am 1.4.20: http://huuboosterhuis.de/zu-dir.455.html)

Bleiben Sie behütet!

 

01.04.2020   Laufen

In den letzten Tagen habe ich den Roman „Laufen“ von Isabel Bogdan gelesen. Sie schildert den Trauerweg einer Frau, deren Partner Suizid begangen hatte. Die Protagonistin läuft und läuft und läuft – zuerst war es ein Davonlaufen und dann wurde daraus ein Weg zurück ins Leben. Laufen, Freunde, Wut, Trauer, Humor und die Liebe zur Musik nehmen es mit der schier nicht enden wollenden Verzweiflung auf. Am Ende siegt das Leben.

Die Lektüre ist keine leichte Kost. Mir hat das Lesen noch einmal mehr gezeigt wie wichtig es ist, jeweils Mittel und Wege zu kennen und einzuüben, die in Krisenzeiten durchhalten und aushalten lassen – vielleicht manchmal trotzig, aber immer mit dem mutigen Blick nach vorn.

Vielleicht auch ein Rezept für diese Zeit, in der wir uns so belastet fühlen durch Covid 19. In aller Verunsicherung, die ich gerade auch als zur Risikogruppe der Herzpatienten gehörend erlebe, hilft mir Psalm 23. Auch hier kommt das Laufen vor und der Weg, auf dem Gott uns geleitet. Und ich laufe gern selbst beim Beten dieser alten Worte:

Der HERR ist mein Hirte,
nichts wird mir fehlen.
Er weidet mich auf saftigen Wiesen
und führt mich zu frischen Quellen.
Er gibt mir neue Kraft.
Er leitet mich auf sicheren Wegen
und macht seinem Namen damit alle Ehre.
Auch wenn es durch dunkle Täler geht,
fürchte ich kein Unglück,
denn du, HERR, bist bei mir.
Dein Hirtenstab gibt mir Schutz und Trost.
Du lädst mich ein und deckst mir den Tisch
vor den Augen meiner Feinde.
Du begrüßt mich wie ein Hausherr seinen Gast
und füllst meinen Becher bis zum Rand.
Deine Güte und Liebe begleiten mich Tag für Tag;
in deinem Haus darf ich bleiben mein Leben lang.
(Übersetzung: Hoffnung für alle)

 

31.03.2020   Lieber Gott, kannst du bitte 2020 löschen und neu installieren. Es hat einen Virus.

Diesen humorvollen Satz zusammen mit dem Foto eines Babys bekam ich gestern zugeschickt. Ich kenne die ursprüngliche Quelle nicht. Auf jeden Fall hat mich dieser Gedanke zum Lachen gebracht zwischen all den anderen Nachrichten des Tages.

In den Kurznachrichten in der Frühe ging es um die „Existenzängste“ vieler. In der Zeitung hieß es dann, dass die „Solidaritätsressourcen endlich“ seien. Beides ist beunruhigend.
Angst um die eigene Gesundheit, Angst um den Arbeitsplatz, Angst um den eigenen Betrieb, Angst vor den vielen Einbußen und Folgen, die Covid 19 uns in diesem Jahr und darüber hinaus einbrockt. Im Moment ist die Unterstützung überall groß. Unsere Regierung versucht, niemanden zu vergessen. Und die, die sich vergessen fühlen, machen auf sich Gott sei Dank dann aufmerksam. Im Augenblick gibt es so viel an Solidarität mit denen, die sich kaum schützen können, weil sie Menschen pflegen, weil sie für unsere Nahrungsmittel und vieles andere Sorge tragen. Die Grenze der Solidarität bekam ich zu spüren in der kritischen Frage, wie man Kranke aus dem Ausland jetzt hier in Deutschland in Kliniken aufnehmen könne. Da kann ich nur antworten: Ja, wann dann, wenn nicht jetzt, wo wir noch dazu in der Lage sind, Menschenleben grenzüberschreitend zu retten.

Möge die Solidaritätswelle, die Aufmerksamkeit füreinander und für das L eben – christlich gesprochen: die Nächstenliebe anhalten und weiter wachsen. Dann brauchen wir 2020 nicht mehr löschen wollen, sondern werden daraus Wesentliches gelernt haben.

 

30.03.2020    Not lehrt beten

Ja, es bewahrheitet sich gerade wieder: Not lehrt beten. Und das ist ja auch gut so, dass es immer wieder Situationen gibt, in denen wir spüren, dass wir dem schöpferischen Gott unser Leben mit all seinen Möglichkeiten verdanken; dass wir spüren, dass es mehr gibt als das Sichtbare; dass wir spüren, wie sehr wir auf diese gute Macht** angewiesen sind. Corona bräuchten wir dazu allerdings nicht, die Herausforderungen und Katastrophen, die jede/r ins Gebet nehmen kann, gab es vorher schon genug.

Die Diözesen und Kirchengemeinden geben uns Christinnen und Christen jetzt auch alle möglichen Gebetshilfen an die Hand. Tausende von Gottesdienstvorlagen und anderen Gebetstetexn werden online gestellt. Das ist schön. Wir werden so gut versorgt wie selten, fast überversorgt. Und gerade wegen dieser Versorgung kommt die Frage in mir auf, ob wir es denn verlernt haben, mit unseren eigenen Worten zu beten und die Bibel aufzuschlagen und darin zu lesen. Oder ob wir in eine Lernschule gehen müssen.

Vielleicht ist jetzt eine Übungszeit für beides: Sich den Gebetsvorlagen anvertrauen  und gleichzeitig die ganz persönliche Fürbitte, Klage, Trauer, Wut und Hoffnung in eigenen Worten vor Gott zu bringen und Formulierungen zu finden, die genau das ausdrücken, was mir auf der Seele brennt..

Mir gefällt besonders das Coronagebet unserer Seelsorgeeinheit:

Gott.
Wir fragen uns, wo wir stehen.
Wir wissen nicht genau, was noch kommt.
Gehe den Weg mit uns, der vor uns liegt.
Schenke allen Menschen in unserem Land, die wichtige Entscheidungen treffen, Weisheit und Umsicht:
hier in Rottenburg und in ganz Baden - Württemberg
Schenke den kranken Menschen Deine Nähe;
und allen, die sich um Sie kümmern, innere Stärke und Gesundheit.
Schenke allen Nachbarn, Freunden, Familien Netzwerke der Unterstützung und den Zusammenhalt, den sie brauchen.
Lass die Kirchen ein Zeichen Deines Beistands für die Menschen sein.
Stärke die Völker in ihrer Verbundenheit untereinander.
Geh mit den Sterbenden ihren letzten Weg.
Gib den Toten Deinen Frieden.
Lass uns alle zum Zeichen Deines Segens füreinander werden.
Heute, morgen und in Ewigkeit. Amen.

** Und ich wähle gerne D. Bonhoeffers Worte:

„Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

 

29.03.2020   „Alle für Alle“ – Gemeinwohl geht vor Eigenwohl  

5. Fastensonntag – Misereorkollekte – „Herr, erbarme dich aller, die in Not sind überall auf der Welt, erbarme dich aller, die unter Covid 19 leiden und denen dieses Virus das Leben nimmt. …“ Der Misereorsonntag steht in diesem Jahr auch unter dem Vorzeichen Covid 19.

Der Misereorsonntag lenkt den Blick auch auf ein Prinzip der Katholischen Soziallehre, das kurzgefasst lautet „Gemeinwohl geht vor Eigenwohl“. Damit ist gemeint:
„Der Mensch muss stets das Gemeinwohl (das Wohl der Gemeinschaften, denen er von Natur aus oder freiwillig angehört, vor allem Familie und Staat), im Blick haben. Das Wohl des Einzelnen ist dem Gemeinwohl unterzuordnen, zu dem der Einzelne beizutragen hat. Andererseits darf der Dienst am Gemeinwohl den Menschen nicht völlig beschlagnahmen, sondern die Gemeinschaft muss dem Einzelnen dienen, das gemeinsam Geschaffene muss gerecht an die Einzelnen verteilt werden und das Ziel jeder Gemeinschaft muss die Entfaltung der Personalität ihrer Mitglieder sein.“( https://www.philso.uni-augsburg.de/institute/philosophie/Personen/Lehrbeauftragte/neidhart/Downloads/Sozialethik.pdf)

Einfacher gesagt – es geht genau um das, was der Slogan „Alle für Alle“, der im Zusammenhang mit Corona beständig durch die Medien geht, meint. Alle stehen füreinander ein, jede/r sorgt dafür und arbeitet darauf hin, dass wir alle in Coronazeiten und danach in eine gute und hoffnungsreiche Zukunft blicken werden. Dann haben wir verstanden und dann leben wir, was „Alle für Alle“ an radikalem Einstehen für das Wohl des Anderen ohne das eigene Wohl aus dem Blick zu verlieren bedeutet. Darin besteht eine riesige Herausforderung. Das einfachste wäre schon mal, Hamsterkäufe zu unterlassen und zu selbstloser Nachbarschaftshilfe z.B. überzugehen. Heute bei meinem Spaziergang habe ich viel von gelungener Nachbarschaftshilfe gehört. Das tat mir gut.

Denken wir an diesem Fastensonntag besonders an dieses „Alle für Alle“ oder "Gemeinwohl geht vor Eigenwohl". In diesem Sinn allen Segen.

 

28.03.2020  Vergessene Themen

Mich beschäftigt, was täglich in den Nachrichten gemeldet wird und welche Themen zur Zeit untergehen. Auch die Zeitung ist voll von Coronaberichten und nur am Rande geht es um die geflüchteten Kinder und die vielen Menschen in den Flüchtlingslagern, die unter unwürdigen Bedingungen leben. Das Thema Seenotrettung ist weg. Die Themen der Bauern treten in den Hintergrund. Wo kommen in den Nachrichten noch all die anderen Krisenherde der Welt vor? .....

Es scheint normal, dass wir den Blick auf das lenken, was uns am meisten beschäftigt und bedroht. Doch es ist auch nötig, noch über den eigenen Kirchturm und den eigenen Horizont zu schauen.
Mögen wir allen, die in Not sind, allen, die leiden und nicht weiterwissen, in diesen Tagen zurufen:

„Gott ist uns Zuflucht und Stärke;
ein bewährter Helfer in allen Nöten.
Darum fürchten wir uns nicht,
wenn die Erde auch wankt.“ (aus Psalm 46)

Gott behüte Euch alle.

 

27.03.2020  Wir bleiben zuhause – Glockenläuten und brennende Kerzen in den Fenstern

„Geduld und Abstand sind die großen Tugenden im Kampf gegen Corona“, hörte ich gestern wieder in der Sendung Brisant. „Wir bleiben zuhause“ ist die stetig wiederholte Formel. Für viele wird zuhause bleiben irgendwann zur Belastung, weil damit Existenzängste verbunden sind. Schüler/-innen machen ganz neue Lernerfahrungen mit der „online-Schule zuhause“; Großeltern vermissen ihre Enkel, allein Lebende müssen sich auf ihr Netzwerk mit den technischen Hilfsmitteln verlassen können; Familien sind so viel zusammen wie sonst nie… Ebenso wie das Zuhause bleiben beschwören wir, dass eine neue Nähe entstehen würde, weil wir die Distanz mit kreativen Ideen zu überwinden suchen. Zahllose Beispiele erzählen uns auch davon. Und dennoch bleibt es mühsam. – Für viele, die an ihren Arbeitsplätzen stehen, ist Abstand fast unmöglich. Kranke kann ich nur mir körperlicher Nähe versorgen. An den Kassen der Geschäfte sind zum Schutz Plexiglasvorrichtungen angebracht worden. Möge es nützen.

Wir warten alle sehnsüchtig darauf, dass der „Spuk“ ein Ende hat. Diese Sehnsucht kenne ich vom Volk Israel in der Bibel, das sehnsüchtig das Ende der Plagen, das Ende der Gefangenschaft im fremden Land, das Ende des Exils erhoffte, um wieder zur Normalität zurückzukehren mit dem neuen Bewusstsein, dass Gott seine Stärke und sein Helfer in der Not war.

Woher kommt mir Hilfe? Mir machen unter anderem das abendliche Glockenläuten zum Gebet, die brennenden Kerzen in den Fenstern, das Singen und Musizieren auf den Balkonen und in den Straßen von Dorfgemeinschaften Mut.

 

26.03.2020  „Uns stehen schwere Wochen bevor“ (Vizekanzler Olaf Scholz)

Diese Schlagzeile ging gestern durch die Medien. Die andere Meldung, die durch die News ging: „Nicht alle Corona-Toten sind auch am Virus gestorben“. Stimmt, was da ist immer wieder zu lesen ist, dass als Corona-Verstorbener auch derjenige gezählt wird, der infiziert war, jedoch an einer anderen Krankheit gestorben ist? – Das irritiert mich. Wenn das so wäre, wie aussagekräftig ist dann noch die Statistik?

Ja, sicher – uns stehen schwere Wochen bevor und wir sind genau genommen schon mitten drin. Dabei möchte ich mich gern auf die Nachrichtenmeldungen verlassen können.
Ich erinnere mich an Erzählungen in der Bibel, in denen dieses Phänomen auch vorkommt. Dort werden auch immer wieder Fakten so beschrieben, dass sie noch eindringlicher, markanter, bedrohlicher werden. Ich hoffe, das ist kein Stilmittel, um uns allen noch klarer zu machen, was wir verstanden haben: Uns stehen schwere Wochen bevor.

Gott halte uns in seinen bergenden Händen und bewahre uns vor Unheil. Amen.

 

25.03.2020   Verwundbar

Wir sind verwundbar geworden. Unser gewohnter Lebensrhythmus ist aus den Fugen geraten. Das Leben ist riskant geworden – ob ich nun zu einer der Risikogruppen gehöre, die dieses verrückte Virus auf keinen Fall einfangen sollten, oder ob ich zu denen gehöre, die jetzt besonders dem Risiko sich aussetzen, um für uns zu sorgen - ob in der Medizin oder im Handel. Wir sind verwundbar geworden, weil es so herausfordernd ist, diese Situation auszuhalten und sich in einer Art Wüstensituation / wüsten Situation zu befinden.

Verwundbar geworden war auch das Mädchen Maria von Nazareth als sie durch den Engel von ihrer Schwangerschaft „unter besonderen Umständen“ erfährt. Das war riskant: Sie hätte nach damaligem Recht gesteinigt werden können als ehebruchsverdächtig, mindestens ausgestoßen aus ihrer sozialen Gemeinschaft. Doch es kommt ganz anders. Josef beschließt, mit ihr zusammen zu leben. Maria hat ihr Ja zu dieser Schwangerschaft gesagt trotz allem Risiko. Auch sie hörte dieses einzigartige „Fürchte dich nicht!“

Möge uns das „Fürchte dich nicht“ in unserer Verwundbarkeit stärken.
Heute ist das Fest der Verkündigung des Herrn.

 

24.03.2020   Unsere Welt wird eine andere sein !?

Viele Propheten geben zur Zeit einander - im Bild gesprochen - die Hand. Sie prophezeihen uns wie wir uns verhalten und wie wir leben werden, wenn es gelungen ist, diesem tückischen Virus seine Macht zu nehmen. Wir werden distanzierter miteinander umgehen, wir werden einander näher sein, die Wirtschaft wird am Boden liegen, sie wird wieder erblühen, wir werden viel gelernt haben und diese Erkenntnisse umsetzen, wir werden egoistisch bleiben. Und so könnte man die Prophezeihungen weiterschreiben.

Ich weß nicht, was sein wird. Doch ich bin sehr neugierig darauf und sehnsüchtig warte ich auf das Ende dieses Ausnahmezustandes. 
Interessant fand ich einen Artikel, den mir ein Mitglied aus dem Prozessteam "Kirche am Ort - Kirche an vielen Orten" zugespielt hat. Der Zukunftsforscher Matthias Horx schreibt seine Gedanken über die Zeit nach Corona: Link

Worauf ich mich verlassen möchte ist dies: Meine Zeit steht in Gottes Händen Link

 

 

23.03.2020  Mir fällt die Decke auf den Kopf

Kontaktsperre – von Tag zu Tag mehr war mit schärferen Maßnahmen zu rechnen. Sie sind nötig im Kampf gegen das Virus. Ich kenne das Gefühl, dass mir die Decke auf den Kopf fällt, wenn mein Kontaktradius so eingeschränkt ist, nur aus Krankheitszeiten. Und diese Decke lässt sich dann nicht so einfach abwerfen. Das ist das Schlimme dran. Doch diese Zeiten waren für mich begrenzt.

Ich kenne viele Menschen, die allein leben, aber auch Familien, für die die jetzige Situation der absolute Ausnahmezustand bedeutet. Ich kenne auch viele Menschen, die dauerhaft ans Bett oder ans Haus gebunden sind. Ich denke an unseren Kolpingbruder Willi, der mit großer Fassung seine Begrenzung lebt und seinen Humor nicht verliert. An ihn denke ich viel in diesen Tagen. Er wird mir zum Vorbild, unser aller Begrenzungen in einem anderen Licht zu sehen.

Ich denke auch an den Propheten Elija, dem die Decke auf den Kopf fiel. Die menschliche Zuwendung der Witwe aus Sarepta und der ihres Sohnes, macht ihm Mut und er ermutigte die Witwe seinerseits zum nächsten  Schritt.

Mögen uns solche Erfahrungen geschenkt werden – vielleicht zur Zeit mehr am Telefon und virtuell als vis-à-vis.

 

22.03.2020  Online-Messen und andere Angebote

Heute ist der erste Sonntag, ohne dass wir eine Eucharistiefeier in unseren Kirchen besuchen können. Wer es gewohnt ist, jeden Sonntag zur Eucharistiefeier zu gehen, dem wird viel fehlen. In vielen Gemeinden sind Wortgottesfeiern am Sonntag längst vertraut und gewohnt. Sie tun sich vermutlich leichter. Unsere Diözese hat für heute eine Wortgottesfeier für die Hausgemeinschaft (Link) oder zum persönlichen Beten zusammengestellt. Das finde ich gut. Und ich habe heute in Allerherrgottsfrühe mit dieser Vorlage den Sonntag gefeiert.

Persönlich tue ich mir schwer mit dem Angebot „Online-Messen ohne Gemeinde“, so sehr ich viele andere geistliche Angebote online schätze.
Ich wünsche mir etwas anderes: Nämlich, dass wir das, was wir gerade spüren, intensiv als geistliche Erfahrung erleben: wie sehr wir nun auf Gott und auf unsere Beziehung zu Jesus Christus allein zurückgeworfen sind und darauf angewiesen, die Nähe zu Gott allein im Gebet zu spüren. Ich wünsche mir, dass wir als Priester und als Gemeindemitglieder uns betend vor Gott tragen mit all den Sorgen und Nöten, die uns aktuell zutiefst bewegen. Ich glaube, das ist die Herausforderung pur für unser geistliches Leben. Niemand kann mir das abnehmen. Mir hilft dabei das abendliche Glockenläuten mit dem Coronagebet unserer Gemeinde, mir hilft die entzündete Kerze am Abend im Fenster.

Für meine Person spüre ich, dass es mir schwerfällt, auf die Begegnung mit Christus im Brot des Lebens zu verzichten. Ich spüre jedoch auch, dass ich mir wünsche, dass Priester und Gemeindemitglieder diesen Verzicht gemeinsam üben und damit vielleicht überraschende Erfahrungen machen. Dass wir diese Erfahrungen machen werden, davon bin ich überzeugt. Vielleicht ist das jetzt so etwas wie die totale Wüstenerfahrung, wie sie die Völker der Bibel und Jesus selbst (Link) erfahren haben und viele einzelne Menschen heute. Den meisten erwuchs neue Kraft und ein neues Selbstbewusstsein.
Allen einen gesegneten Sonntag.

Übrigens: Unsere Seelsorgeeinheit hat eine Seite mit Coronainformationen "Woher kommt mir Hilfe" eingerichtet (Link)

 

21.03.2020  Wir schaffen das!

Die Kanzlerin sei vorsichtig geworden mit diesem Satz, hörte ich in diesen Tagen in einem Kommentar auf ihre Rede an die Nation. Stattdessen sagt sie: "Wir sind nicht verdammt, die Ausbreitung des Virus passiv hinzunehmen. Wir haben ein Mittel dagegen: Wir müssen aus Rücksicht voneinander Abstand halten." Dann schaffen wir es, möchte ich gerne hinzufügen. Ich bin überzeugt davon, dass wir dem Virus die Macht nehmen, indem wir jetzt das tun, was wir uns in normalen Zeiten nicht vorstellen können: auf vis-à-vis-Nähe verzichten und mehr die virtuelle Nähe suchen und uns zurückhalten mit allem, was dem Virus Ansporn gäbe. Als Beziehungsmensch und als Frau, die anderen gerne begegnet, fällt mir das verdammt schwer und ich leide darunter.

Doch was ist dieses Leiden gegen die Zukunft, die wir dann wieder zu erwarten haben. Mir hilft das in der Bibel am meisten wiederholte Wort „FÜRCHTE DICH NICHT!“ Damit denke ich gegen die Sorgen an und bin mir sicher: „Wir schaffen auch das!“ Darauf vertraue ich.

Vielleicht mag uns Cohens Halleluja in der Corona-Variante ein wenig ermutigen. Seit heute kommt bei mit der Link ständig auf whatsapp an: https://youtu.be/00uOKLwrq1s

Und viele unterstützen uns mit Gebetstexten und Impulsen, so auch die evangelische Kirche, deren Impuls ich ebenfalls verlinke. Hausgebet
Am Samstag um 19.30 Uhr laden die Glocken der Christuskirche zum Gebet ein und es wäre ein Hoffnungszeichen, wenn wir alle eine Kerze ans Fenster stellen würden.

 

20.03.2020 Bleib gesund!

Jedes Telefonat, jede Mail, jede Whatsapp endet derzeit mit diesem Wunsch. In Coronazeiten konzentriert sich alles auf den Wunsch nach dem Erhalt der Gesundheit. Wie wohltuend ist doch dieses „Bleib gesund“. Wie warm klingt es in unseren Ohren. Wie bewusst macht dieser Wunsch das hohe Gut der Gesundheit.

In den Evangelien hören wir Jesus in den Heilungserzählungen immer wieder fragen: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“ Jede und jeder von uns würde im Augenblick antworten: „Gesund bleiben“ – „Gesundheit für mich und andere“. Vielleicht auch das: Dass unsere Seele keinen Schaden nimmt durch die vielen Beschränkungen, die wir nicht gewohnt sind, dass uns die Decke nicht zu sehr auf den Kopf fällt – trotz Einsicht in diese Maßnahmen –; dass wir geduldig bleiben und einigermaßen gelassen.

Das wünsche ich uns allen.